Knud Knudsen: Wattpostbote
Knud Knudsen, 2024
Keine Kunst ohne Post“, sagte Herbert Achternbusch.
Ein Satz wie ein Augenzwinkern – und ein Versprechen.
Im Sommer 2024 nahm ich ihn beim Wort.
Auf Pellworm, dieser flachen Insel im Atem der Nordsee, begegnete ich Knud Knudsen. Deutschlands einzigem Wattbriefträger. Ein kurzes Telefonat genügte, und als wäre das Treffen längst verabredet gewesen, sagte er zu einem spontanen Fotoshooting zu.
Am Tag zuvor ging ich mit ihm hinaus ins Watt, Richtung Hallig Süderoog. Der Boden unter den Füßen weich und nachgiebig, der Horizont weit, fast leer. Knud trug Briefe und kleine Pakete durch die Landschaft, als seien es Botschaften an die Gezeiten selbst. Zustellungen zwischen Ebbe und Flut.
Während wir gingen, erzählte er. Von einem früheren kurzen Abstecher auf das Festland. Von Wochen, die schön waren – und doch unvollständig.
„Ich brauche das Meer“, sagte er.
Ein Satz ohne Pathos. Ein Satz wie eine Wahrheit.
Ein Leben ohne die Nordsee, ohne das Watt, konnte er sich nicht vorstellen. Zu sehr ist alles hier miteinander verwoben: Arbeit und Natur, Alltag und Weite, Stille und Bewegung. Knud lebt auf Pellworm. Und Pellworm lebt in ihm.
Was bleibt, ist eine stille Faszination. Die Begegnung mit einem Menschen, der angekommen ist. Der nichts sucht und nichts vermisst.
Eine Lebensfreude, die nicht laut sein muss, um spürbar zu werden.

