Ein Nachmittag mit Gerd Lehmann
Christian Greller Christian Greller

Ein Nachmittag mit Gerd Lehmann

Leipzig. Bornaische Straße. Die renovierten Häuser, den urbanen Lebensstil und die großen Einkaufshäuser der Innenstadt - all das gibt es hier nicht im Stadtteil Dölitz. Ich stehe mit meinen Kolleginnen und Kollegen vom AUGENBLICK-FOTOMAGAZIN vor einem verschlossenen Tor. Es ist bereits nach 16 Uhr, und die Hinterhofgalerie von Gerd Lehmann sollte bereits geöffnet haben. Als wir klingeln öffnet ein älterer Herr mit langem weißen Bart und Zigarette in der Hand. “Ich bin ein wenig spät dran” sagt er und bittet uns herein. Es ist Gerd Lehmann.

Früher, zu Zeiten der DDR, fand man seine Arbeiten in den größten Modezeitschriften des Landes. Er fotografierte aber auch als Standfotograf für den Film (u.a. POLIZEIRUF 110).

Er erzählt uns, wie er “Lichtbildner” wurde, wie er sich selbst bezeichnet. Als er Ende der 60er Jahre in Dresden als Kellner arbeitete, wurde er als Model entdeckt, und kam so zum ersten mal mit der Fotografie in Berührung. Er wollte das auch machen. Aber anders. Nicht so inszeniert, weniger künstlich. Also brachte er sich das fotografieren selber bei.

Über vier Jahrzehnte arbeitete Lehmann als Auftragsfotograf. Dann kam die Wende und mit ihr eine Zeit, in der sich nicht nur das Land, in dem er lebte, sondern auch seine fotografische Welt grundlegend veränderte. Lehmann blieb mit seiner Kamera dabei. Analog und fast immer in Schwarzweiß, fotografierte er weiter. Besonders die Kneipen und Menschen in Leipzig faszinierten ihn. Während die beiden deutschen Staaten langsam wieder zusammenwuchsen, erschuf Lehmann, vielleicht ohne es zu ahnen, ein zeithistorisches Fotoarchiv von unschätzbarem Wert.

Seine Bilderzeigten nicht die großen historischen Inszenierungen, sondern Menschen beim Zusammensitzen, Feiern, Reden und Leben. Und Orte in Leipzig, die es heute so nicht mehr gibt.

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